
PROPAK Bilanz
PROPAK Industrie warnt vor Standortnachteilen
Die österreichische papierverarbeitende Industrie steht zunehmend unter Druck: Kosten, Wettbewerb und Regulierung belasten die Branche. Im Rahmen der PROPAK-Pressekonferenz präsentierte ECO Austria Direktorin Monika Köppl-Turyna eine aktuelle Studie im Auftrag der PROPAK zur Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Wettbewerbsposition der Branche in wichtigen Exportmärkten verschlechtert hat und der Standort Österreich im internationalen Vergleich an Attraktivität verliert.
Die Zahlen der PROPAK Industrie für 2025 zeichnen ein gemischtes Bild: Der Produktionswert sank um drei Prozent auf 2,23 Milliarden Euro, mengenmäßig blieb der Rückgang mit einem Minus von 1,2 Prozent vergleichsweise moderat. Besonders betroffen waren Non-Packaging-Produkte mit einem Wertminus von 4,4 Prozent, während der Verpackungssektor um 1,9 Prozent zurückging. Rund 80 Prozent der Produkte werden exportiert; auch hier gab es ein leichtes Minus von 0,4 Prozent. Die Beschäftigung blieb trotz des angespannten Umfelds relativ stabil, die Zahl der Lehrlinge legte sogar um 2,6 Prozent zu.

PROPAK-Obmann Marko Bill Schuster: „Die scheinbar stabile Lage darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Unternehmen wirtschaftlich zunehmend unter Druck geraten!“
Marktanteile zunehmend unter Druck
Sinkende Umsätze, hohe Arbeitskosten und ein intensiver werdender internationaler Wettbewerb schmälern die Spielräume für Investitionen und belasten die Unternehmen am Standort Österreich zusätzlich. Besonders deutlich wird die Entwicklung auf den Exportmärkten. Zwischen 2017 und 2024 verlor die heimische Branche in zwölf der 15 wichtigsten Zielmärkte Marktanteile. Allein in Deutschland, dem wichtigsten Absatzmarkt, sank der österreichische Marktanteil von 10,3 auf 8,0 Prozent. Gleichzeitig konnten Anbieter aus Polen, China, Italien und Spanien ihre Position ausbauen.

Monika Köppl-Turyna, Direktorin von ECO Austria: „Österreich muss bei den Standortbedingungen gegensteuern, damit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten nicht schrittweise erodiert.“
Die EcoAustria Direktorin sieht die Ursachen vor allem in strukturellen Nachteilen des Standorts. Während in Österreich die Lohnstückkosten zwischen 2017 und 2025 um rund 37 Prozent stiegen, lag der Anstieg im Euroraum bei 27 Prozent. Bei der realen Arbeitsproduktivität verzeichnete Österreich im selben Zeitraum nur ein Plus von rund 4 Prozent, während Polen auf 25 Prozent, die Slowakei auf 20 Prozent und Ungarn auf 17 Prozent kamen.

„Österreich muss bei den Standortbedingungen gegensteuern, damit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten nicht schrittweise erodiert“, so Köppl-Turyna. Besonders Wettbewerber aus Polen profitierten laut Studie von niedrigeren Lohnstückkosten, gut verfügbaren Fachkräften, höherem Produktivitätswachstum und Investitionen in moderne Produktionsanlagen.

PROPAK Obmann-Stellvertreter Arnold Tautermann-Bichler: „Ein reine digitale Lösung würde viele Menschen ausschließen.“
Die Digitalisierung treibt Innovationen voran: Digital abrufbare Informationen via QR-Code ergänzen Aufdrucke auf Verpackungen, Hologramme machen Etiketten fälschungssicher und digitale Prozesse vereinfachen Bestell- und Freigabeabläufe. Arnold Tautermann-Bichler, PROPAK Obmann-Stellvertreter, verweist auf die praktische Bedeutung verlässlicher und verständlicher Produktinformationen. Gerade dort, wo Rechtssicherheit, Lesbarkeit und barrierefreier Zugang entscheidend sind, behalten gedruckte Informationen ihre Relevanz.

PROPAK-Geschäftsführer Martin Widermann: „Papier, Karton und Wellpappe sind erneuerbare und hoch recyclingfähige Materialien, die schon heute einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten.“
Kreislaufwirtschaft als Chance, Regulierungsdruck wächst
„Unsere Branche unterstützt die Ziele der Kreislaufwirtschaft ausdrücklich“, sagt Martin Widermann, Geschäftsführer PROPAK „Aber die stark gestiegene Regulierungsdichte belastet die Betriebe zunehmend, bremst Innovationen und bindet Investitionen“, so Widermann. So bringt etwa die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) zahlreiche neue Aufzeichnungs- und Berichtspflichten sowie höhere administrative Kosten. Das verschärft die Planungsunsicherheit für die Betriebe und erschwert Investitionsentscheidungen in einem ohnehin angespannten wirtschaftlichen Umfeld.

Vorsichtiger Blick auf 2026
Für 2026 bleibt der Ausblick der Branche zurückhaltend. Wachstum wird derzeit nicht erwartet. Diese Entwicklung und die EcoAustria-Studie machen den wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf deutlich. Insbesondere die Arbeitskosten müssen sich am internationalen Umfeld orientieren. „Die PROPAK-Industrie steht für nachhaltige Produkte, qualifizierte Arbeitsplätze und internationale Wettbewerbsfähigkeit“, sagt PROPAK-Obmann Schuster. „Diese Stärke darf nicht durch Standortnachteile verspielt werden. Hier sind auch die Sozialpartner gefordert.“

Die Pressekonferenz können Sie unter diesem Link nachschauen: APA PK Stream
Die PROPAK-Presseaussendung finden Sie hier.
Pressefotos in der APA-Fotogalerie
Fotos: © com_unit/APA/Schedl