
Natürlich im Getränkekarton
In Interviews mit den Fachmagazinen Pack & Log und KOMPACK beleuchtet Georg Matyk, Geschäftsführer des Verein Getränkekarton Austria, die Rolle von Getränkekartons in der Kreislaufwirtschaft.
Getränkekartons zählen zu den wichtigsten Verpackungen für flüssige Lebensmittel: von Milch und Fruchtsäften bis zu pflanzlichen Drinks, Suppen und Brühen. In der aseptischen Abfüllung werden Inhalt und Verpackung getrennt sterilisiert und erst unter keimfreien Bedingungen zusammengeführt; das macht den Transport über große Distanzen ohne durchgehende Kühlkette möglich.
Georg Matyk betont im Gespräch mit Pack&Log und KOMPACK vor allem diesen systemischen Vorteil: „Aseptische Getränkekartons sparen Energie, verlängern die Haltbarkeit und helfen, Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Genau darin liegt die Bedeutung für die Branche: Getränkekartons verbinden Produktschutz, Logistikeffizienz und Ressourcenschonung in einem Verpackungssystem.“

Die gesamte Verpackungsbranche steht aktuell unter Zugzwang: Ab August 2026 müssen Verpackungen EU-weit nachweislich recyclingfähig sein. Doch wie lässt sich dieser Nachweis für Getränkeverbundkartons präzise erbringen? Im Gespräch mit den Journalisten verweist Georg Matyk auf die notwendige umfassende Transparenz. Die Branche setzt dabei auf „RECY:CHECK“. Dieses Zertifizierungsprotokoll, entwickelt von der Food and Beverage Carton Alliance (FBCA) in Zusammenarbeit mit Experten wie dem OFI und cyclos-HTP, liefert das wissenschaftliche Fundament.
RECY:CHECK und PPWR
„Wir bewerten den gesamten Lebenszyklus, von der Sammlung und Sortierung bis hin zum Reprocessing und der tatsächlichen Sekundärrohstoffnutzung“, so Matyk. Die Methodik hinter RECY:CHECK ist so konzipiert, dass sie exakt mit den strengen Vorgaben der neuen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) korrespondiert. Für Unternehmen bedeutet das eine klare Richtlinie: Die Pflicht zur Dokumentation und zur laufenden Optimierung der Recyclingfähigkeit ist nun fester Bestandteil der „License to Operate“. Matyk zeigt sich überzeugt, dass die Branche mit diesem ganzheitlichen Zertifizierungsansatz nicht nur die regulatorischen Hürden meistert, sondern auch den Weg für eine effiziente Kreislaufwirtschaft nachhaltig ebnet.

Die Umsetzung der EU-Vorgaben rückt näher: „Läuft alles nach Plan?“, lautet die Frage an Georg Matyk. Der Geschäftsführer von Getränkekarton Austria gibt Entwarnung, mahnt jedoch bei den Details zur Eile. „Wir liegen gut in der Zeit“, bekräftigt Matyk mit Blick auf den 12. August 2026, ab diesem Zeitpunkt müssen Verpackungen recyclingfähig gestaltet sein. Getränkekartons sind bereits heute bestens aufgestellt: Je nach lokaler Recyclinginfrastruktur erreichen sie bereits jetzt Quoten von über 90 Prozent und erfüllen damit die wesentlichen Erwartungen der Branche. Dennoch sieht Matyk auf regulatorischer Ebene Handlungsbedarf: Die Europäische Kommission sei gefordert, bei den Begriffsbestimmungen sowie der europaweiten Harmonisierung, speziell im Bereich „Design for Recycling“, zügig nachzuschärfen, um Rechtssicherheit zu schaffen.

Der Getränkekarton gilt als bewährte Lösung für sensible Füllgüter wie Milch und Fruchtsäfte. Doch wie entwickelt sich die Marktdynamik in diesen Kernbereichen?
Dazu Georg Matyk: „Während sich der Milchmarkt mit einem Marktanteil von durchschnittlich 75 Prozent in Europa als Fels in der Brandung erweist, verzeichnen Fruchtsäfte leichte Einbußen. Matyk führt diesen Rückgang vor allem auf eine konjunkturbedingte Kaufzurückhaltung bei höherpreisigen Produkten zurück.
Gleichzeitig identifiziert Matyk neue Wachstumstreiber: „Wir sehen ein klares Plus bei Lifestyle-Produkten wie Proteingetränken. Gerade diese Segmente sprechen eine gesundheits- und umweltbewusste, urbane Zielgruppe an, die ganz bewusst die nachhaltigen Vorteile der faserbasierten Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen schätzt“. Und auch die Frage des Recyclings rückt bei dieser Zielgruppe immer stärker in den Fokus.
Erfolg der Recycling Mission 2025
Die „Recycling Mission 2025“ des Vereins Getränkekarton Austria hatte ein ambitioniertes Ziel: Mithilfe einer auf Information und Humor setzenden Kampagne sollte das Sammelbewusstsein der österreichischen Konsument:innen nachhaltig gesteigert werden. Mit Erfolg, wie die Bilanz zeigt. „Wir haben das gesetzte Ziel, 80 Prozent der konsumierten Getränkekartons dem Recycling zuzuführen, erreicht!“
Die Kampagne wird 2026 fortgesetzt, wobei unter dem Motto „Recycling in Österreich“ der Fokus nun verstärkt auf Vertrauensbildung liegt. „Wir müssen den Konsument:innen vermitteln, dass ihre gesammelten Verpackungen tatsächlich hochwertig recycelt werden“, erklärt Matyk. Ziel sei es, die Motivation durch Transparenz zu erhöhen. Mit einer exzellenten Sammlung und modernsten Sortieranlagen verfüge man in Österreich über eine Infrastruktur, die als verlässlicher Rohstofflieferant für die heimische Recyclingindustrie fungiert und die Kreislaufwirtschaft effektiv schließt.
Georg Matyk ist Geschäftsführer des Vereins Getränkekarton Austria. Die beiden vollständigen Interviews können Sie in den Magazinen Kompack und Pack & Log nachlesen.
Fotos © com_unit/Hörmandinger