Skip to main content

Pressegespräch: „Unsere Branche ist resilient“

Das Jahr 2023 war für die papierverarbeitende Industrie durch deutliche Rückgänge und hohe Kostensteigerungen geprägt. Im Fokus stehen die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die beeindruckenden Recyclingquoten der Branche.

Stark steigende Personalkosten, gepaart mit stagnierender Produktivität und gedämpfter Nachfrage sind auch an der PROPAK Industrie nicht spurlos vorbeigegangen. Die 87 Unternehmen der Papier und Karton verarbeitenden Industrie in Österreich mussten im abgelaufenen Jahr mengenmäßig einen Rückgang von 9,1 Prozent auf 1,1 Millionen Tonnen verkraften. Der Wert der abgesetzten Menge fiel um 9,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. „Wirtschaftlich befinden wir uns alle in einem sehr, sehr schwierigen Umfeld. Österreich ist keine Insel“, sagt PROPAK-Fachverbandsobmann Georg Dieter Fischer im Rahmen des Bilanzpressegesprächs vor Wirtschaftsjournalist:innen in Wien.

92 24042 PROPAK PKccom unitL. SchedlFachverbandsobmann Georg Dieter Fischer: „Die PROPAK Industrie hat kein strukturelles Problem; sie hat ein Problem mit den Märkten und den Rahmenbedingungen. Wir sind resilient!“

Standort Österreich in Gefahr?
„Für unsere Industrie wird es schwieriger, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten“, berichtet Marko Bill Schuster, stellvertretender Obmann der PROPAK. Grob geschätzt fallen ein Viertel der Aufwendungen im Branchenschnitt auf Arbeitskosten. Allein in den vergangenen drei Jahren sind die Kollektivvertragslöhne und -gehälter in der PROPAK-Industrie um über 20 Prozent gestiegen. Daran lässt sich auch ein Teil der verschlechterten Wettbewerbsposition ermessen.

„Wir benötigen eine neue sozialpartnerschaftliche Herangehensweise zur kollektivvertraglichen Lohn- und Gehaltsfindung. Und nicht minder dringend einen Abbau von Bürokratie – hier droht den Unternehmen eine Lawine an europäischen Regelwerken, von der Entwaldungsverordnung bis zu Lieferkettenrichtlinie.“

13 PROPAK PKccom unitL. SchedlPROPAK-Obmann Stellvertreter Marko Bill Schuster: „Damit unsere Industrie international mithalten kann, braucht es attraktivere Rahmenbedingungen. Und wir brauchen dringend einen Abbau von Bürokratie!“

Mehr PROPAK-Betriebe als je zuvor denken über Veränderungen nach, was die Produktion und den Standort betrifft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Branchen-Umfrage, die der Fachverband PROPAK unter seinen Top-30-Mitgliedsunternehmen durchgeführt hat. Während zwei Drittel derzeit keine Veränderungen planen, musste bereits jeder dritte papierverarbeitende Betrieb Maßnahmen ergreifen. „Das reicht vom Outsourcing einer Dienstleistung bis zur Verlagerung von Teilen der Produktion an einen anderen Firmenstandort - ob innerhalb oder außerhalb der EU“, so Branchenvertreter Schuster.

Die Anzahl der PROPAK-Beschäftigten ist im Vorjahr leicht auf 8.678 (-2,0 Prozent) gesunken. Auch die Anzahl der Lehrlinge ging zurück (-4,8 Prozent). Zurzeit bildet die Industrie 217 Lehrlinge in 16 verschiedenen Berufen aus. Neben der Lehre setzt die Branche auf betriebliche und außerbetriebliche Aus- und Weiterbildung. „Die Lage ist derzeit noch stabil“, betont Schuster. „Aber wenn es im zweiten Halbjahr zu keiner wirtschaftlichen Erholung kommt, verlieren wir Kunden, und ein Abbau von Arbeitsplätzen, gerade bei den eher einfachen Tätigkeiten, wird unvermeidlich sein.“

15 PROPAK PKccom unitL. SchedlGeschäftsführer PROPAK Martin Widermann: „Die Produkte unserer Industrie sind nach dem Gebrauch kein Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff, der Ressourcen schont wie kein anderer.“

Was bringt die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR?
Viele Studien belegen, dass die Konsument:innen immer stärker auf Nachhaltigkeit setzen und die Recyclingfähigkeit von Verpackungen prioritär ist. „Das ist eine Kernkompetenz unserer Branche“, sagt PROPAK Geschäftsführer Martin Widermann. Vorsichtig positiv äußert sich der Fachverband zum vorläufigen Text der neuen EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation). „Wir begrüßen, dass die europäischen Institutionen eine gemeinsame Position gefunden haben, die der zentralen Rolle von Verpackungen aus Papier/Karton/Wellpappe in der Kreislaufwirtschaft Rechnung trägt – das hat im ersten Entwurf noch ganz anders ausgesehen“, so Widermann. Die finale Bestätigung durch die Mitgliedsstaaten steht zwar noch aus. „Es war eine Herkulesarbeit des Fachverbands in Zusammenarbeit mit den europäischen Verbänden, dies zu erreichen. Es bleibt abzuwarten, wie die nationale Umsetzung aussehen wird.“

8 PROPAK PKccom unitL. SchedlGeorg Dieter Fischer: „Wir rechnen mit einer leichten Erholung in der zweiten Jahreshälfte und einem flachen Wachstum von ein bis zwei Prozent.“

Ausblick 2024
Konjunkturell erwartet die PROPAK-Industrie ein weiteres schwieriges Jahr. „PROPAK-Unternehmen bewiesen in den letzten Jahren im internationalen Wettbewerb ihre Resilienz. Wir rechnen mit einer leichten Erholung in der zweiten Jahreshälfte und mit einem flachen Wachstum von ein bis zwei Prozent“, gibt sich Fachverbands-Obmann Georg Dieter Fischer vorsichtig optimistisch.

6 PROPAK PKccom unitL. SchedlLive aus dem APA Pressezentrum: PROPAK-Geschäftsführer Martin Widermann, PROPAK-Obmann Georg Dieter Fischer, Obmann Stellvertreter Marko Bill Schuster und Moderatorin Susanne Wegscheider, com_unit.

Die Pressekonferenz können Sie unter diesem Link nachschauen: https://events.streaming.at/propak-20240604

Die Presseaussendung finden Sie hier.

Pressefotos in der APA Fotogalerie

Fotos: ©com_unit/APA/Schedl

Beitrag teilen